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BMF-News zur steuerlichen Behandlung von Hardforks

Das BMF hat im Rahmen einer parlamentarischen Anfragebeantwortung vom 01.03.2018 (abrufbar unter: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/J/J_00382/imfname_683619.pdf bzw. Antworten
unter: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/AB/AB_00382/imfname_691926.pdf )
am 30.04.2018 zur steuerlichen Behandlung von Hardforks Stellung bezogen.

Es wurden zwei Fragen gestellt:
1. Wie ist die Ein-Jahres-Frist im Sinne des § 31 EStG im Falle eines Hardforks für die geforkten Coins zu berechnen
2. Wie sind die Anschaffungskosten für die geforkten Coins zu ermitteln?

Zur ersten Frage haltet das BMF fest, dass der Anschaffungszeitpunkt des ursprünglichen Kryptowährungsguthabens auch für das neu erhaltene Kryptowährungsguthaben relevant ist. Für die geforkten Coins ist daher das Anschaffungsdatum des Ursprungsasset zu übernehmen und auch für den Lauf der Ein-Jahres-Frist im Sinne des § 31 EStG heranzuziehen.

Die zweite Frage beantwortet das BMF wie folgt: „Die Anschaffungskosten des neu erhaltenen Kryptowährungsguthabens sind dabei mit Null anzusetzen, weshalb der volle Veräußerungspreis steuerpflichtig ist, die Anschaffungskosten des bisherigen Kryptowährungsguthabens bleiben unverändert“.

Die Frage ist unseres Erachtens nicht exakt beantworten, eine Steuerpflicht kann nur vorliegen, wenn die 1-Jahres-Frist nicht abgelaufen ist. Nur in diesem Fall ist der Verkauf bzw. Tausch der geforkten Coins überhaupt im Rahmen des § 31 EStG steuerpflichtig.

Beispiel:
Vor dem Hardfork besitzt A 1 BTC. Die Anschaffungskosten für diesen Bitcoin, welcher am 01.03.2017 erworben wurde, beträgt EUR 2.000,00. Am 01.08.2017 findet der Hardfork statt und A erhält zusätzlich 1 Bitcoin Cash. A verkauft 1 Bitcoin Cash

a. am 01.09.2017 um EUR 2.500,00
b. am 02.03.2018 um EUR 1.000,00

Lösung:
Für den am 01.08.2017 erworbenen Bitcoin Cash ist für die Berechnung der 1-Jahres-Frist der 01.03.2017 (Tag der Anschaffung des Ursprungsassets BTC) heranzuziehen. Die Anschaffungskosten sind laut BMF mit Null Euro evident zu halten.

a. Da der Bitcoin Cash um EUR 2.500 innerhalb der 1-Jahres-Frist (gerechnet von 01.03.2017) am 01.09.2017 verkauft wird, ist der Veräußerungsgewinn steuerpflichtig. Laut BMF betragen die Anschaffungskosten Null, dh. die gesamten EUR 2.500 sind steuerpflichtig.


b. Da der Bitcoin Cash um EUR 1.000 außerhalb der 1-Jahres-Frist (gerechnet von 01.03.2017) am 02.03.2018 verkauft wird, ist der Veräußerungsgewinn EUR 1.000 steuerfrei.

Unseres Erachtens könnten die Anschaffungskosten analog zu § 4 Abs 2 Kapitalmaßnahmen VO oder § 36 Abs 2 Z 1 UmgrStG auch im Verhältnis des Verkehrswerte im Zeitpunkt der Forks aufgeteilt werden. Diese Meinung wurde aber vom BMF nicht geteilt. Die Methode der Aufteilung der Anschaffungskosten im Verhältnis der Verkehrswerte ist in Bezug auf die Dokumentationserfordernisse jedenfalls mit höheren Arbeitsaufwand verbunden, weil die Anschaffungskosten auf die Ursprungsassets und auf die geforkten Coins aufgeteilt werden müssen. Die vom BMF dargestellte Vorgehensweise ist mit weniger Arbeitsaufwand verbunden, weil hier nur die geforkten Coins mit dem Anschaffungsdatum des Ursprungsassets aufgezeichnet werden müssen und Anschaffungskosten von Null Euro evident zu halten sind.

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