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Besteuerung von Miningaktivitäten als Einzelperson (PoW)

Miningaktivitäten mit Spezialhardware oder Grafikkarten (PoW) sind, sofern keine steuerlich unbeachtliche Liebhaberei vorliegt, als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu besteuern. Lässt sich mit der Tätigkeit auf Dauer gesehen keinen Gesamtgewinn sondern nur Verluste erwirtschaften, spricht man von Liebhaberei. Einkünfte aus einer Liebhabereitätigkeit sind steuerlich unbeachtlich, dh. Verluste aus dieser Tätigkeit dürfen nicht mit anderen Einkünften verrechnet werden. Werden mit dem Mining von Kryptowährungen Gewinne erwirtschaftet, müssen diese im Rahmen der Einkommensteuererklärung deklariert werden. Die Aufnahme der Miningtätigkeit ist an das zuständige Finanzamt binnen einer Frist von einem Monat zu melden (Abgabe eines Eröffnungsfragebogens).

Wird das Mining in der Rechtsform eines Einzelunternehmens betrieben, ist in einem ersten Schritt festzustellen, welche Gewinnermittlungsart (Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder doppelte Buchführung) anzuwenden ist. Bei Miningeinnahmen unter EUR 700.000 pro Jahr (=Regelfall!), kann die Gewinnermittlung vereinfacht durch eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung durchgeführt werden. Im Rahmen der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung erfolgt eine Gegenüberstellung der Betriebseinnahmen und der Betriebsausgaben nach dem Zufluss-Abfluss-Prinzip. Als Miningeinnahme (=Betriebseinnahme) ist jeder Zufluss von geminten Coins, bewertet mit dem Verkehrswert in Euro im Zeitpunkt des Zuflusses, anzusetzen. Es ist zur Dokumentationszwecken notwendig die Transaktionen der verwendeten Mining-Adressen in ein Excel-File aus dem jeweiligen Blockchain-Explorer zu importieren um eine entsprechende Umrechnung in Euro durchführen zu können. Als Kurs für die Umrechnung in Euro wird man idR Kurse der verwendeten Kryptobörsen oder einen gewichteten Durchschnittswert von mehreren Börsen heranziehen können.

Von den Miningeinnahmen dürfen belegmäßig nachgewiesene Ausgaben, die durch die Miningaktivität veranlasst sind, abgezogen werden. Betriebsausgaben können zB sein: Raumkosten, Strom, Kühlung, etc. Die Anschaffungskosten für die Spezialhardware oder die Grafikkarten können im Wege der Absetzung für Abnutzung verteilt auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgesetzt werden. Bei einem Gewinn von bis zu höchstens EUR 30.000,00 kann zusätzlich noch ein Gewinnfreibetrag (13% des Gewinnes) in Abzug gebracht werden.

Beispiel:
Bob kauft Anfang 2017 ASIC-Miner im Wert von EUR 20.000,00 und Grafikkarten im Wert von EUR 10.000,00. Die Betriebsausgaben in Zusammenhang mit dem Mining (Strom, etc.) betragen EUR 4.000,00. Im Laufe des Jahres 2017 werden Kryptowährungen im Wert von EUR 18.000 gemint.

Lösung:
Es liegen Betriebseinnahmen in der Höhe von EUR 18.000 vor (Bewertung mit Verkehrswert im Zeitpunkt des Zuflusses auf der Mining-Adresse!). Die laufenden Betriebsausgaben in der Höhe von EUR 4.000,00 können von den Betriebseinnahmen in Abzug gebracht werden. Die Anschaffungskosten der ASIC-Miner und der Grafikkarten im Wert von insgesamt EUR 30.000 müssen auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (max. 2-3 Jahre) im Wege der Absetzung für Abnutzung (=AfA) verteilt angesetzt werden. Bei Annahme einer 3jährigen Nutzungsdauer können daher im 1. Jahr EUR 10.000 an AfA geltend gemacht werden.

Betriebseinnahmen

EUR

18.000,00

lfd. Betriebsausgaben (Strom etc.)

EUR

-4.000,00

Absetzung für Abnutzung

EUR

-10.000,00

Gewinn

EUR

4.000,00

abzgl. 13% Gewinnfreibetrag

EUR

-520,00

Einkünfte aus Gewerbebetrieb

EUR

3.480,00

Einkünfte aus Gewerbebetrieb sind gemeinsam mit etwaigen anderen Einkünften mit dem jeweiligen individuellen Einkommensteuertarif zu besteuern.
Neben der Einkommensteuer können unter gewissen Voraussetzungen auch Sozialversicherungsbeiträge von der SVA der gewerblichen Wirtschaft nachverrechnet werden.
Du hast Fragen zur steuerlichen Behandlung von Miningaktivitäten? Dann kontaktiere uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wir sind Steuerexperten für Kryptowährungen und helfen Dir gerne weiter.

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